„Wir brauchen Projekte, die den Markt anschieben“

Braukunst Live! 2018

„Wir brauchen Projekte, die den Markt anschieben“ - Interview mit Wolfgang Stempfl

Er gilt als Ur-Gestein der deutschen Bierszene und als Pionier in der Ausbildung moderner Bier-Sommeliere. Wolfgang Stempfl machte als langjähriger Geschäftsführer die Doemens Genussakademie in Gräfelfing bei München zu einem nationalen und internationalen Aushängeschild der Brau- und Getränkeindustrie. Jetzt avancierte der 62-Jährige zum Brand Ambassador der Braukunst Live (BKL). Mit der BKL-Redaktion sprach Stempfl über seine neue Funktion, seine Rolle in der geplanten Rare Beer Area und die Zukunftschancen der Craft-Bierbewegung in einem turbulenten Markt.

1. Herr Stempfl, sie sind nun offiziell Brand Ambassador der Braukunst Live!. Nach Ihrem Abschied von Doemens dürfte es eine Menge Angebote gegeben haben. Warum haben sie sich für die BKL entschieden?
Es hat natürlich angenehme Seiten, wenn man nicht mehr fest angestellt ist. Obwohl ich meine Arbeiten an der Doemens Akademie immer gerne und engagiert gemacht habe, kann ich mir jetzt selektiv die Projekte herauspicken, die mich reizen und bei denen ich der Überzeugung bin, etwas bewirken zu können. Die Braukunst Live! habe ich von Anfang an miterlebt und gesehen, wie sie sich aus den Kinderschuhen heraus zur Leitmesse der Bierbranche entfaltet hat. Mir liegt viel daran, dass sich die Veranstaltung weiterhin so positiv entwickelt.

2. Was genau ist dabei Ihre Funktion und was sind ihre Ziele?
Die Veranstalter haben ein Aushängeschild gesucht, das nach außen wirken soll. Klar versuche ich auch Brauer zu finden, die auf die BKL passen und stehe dann auch voll hinter denen. Aber das ist nicht meine Hauptaufgabe. Ich gestalte vor allem die Rare Beer Area, die dieses Jahr zum ersten Mal umgesetzt wurde. Da gibt es noch einiges zu optimieren, und das nehme ich gern in die Hand. Mein Ziel ist es echte Raritäten auszuwählen und auch die Brauer miteinzubinden.

3. Die zu verkostenden Biere der Rare Beer Area stammen überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum. Gibt es schon einige Überraschungen?
Das möchte ich noch nicht verraten. Meine Zusammenstellung der maximal zwölf Biere ist noch in Arbeit. Versprechen kann ich aber, dass es Sude sein werden, die selbst Bier-Enthusiasten nur schwer oder gar nicht bekommen. Das soll ja auch den besonderen Reiz der Rare Beer Area ausmachen. Während der Verkostung will ich mit den Teilnehmern über die einzelnen Biere sprechen und den Raritätencharakter herausarbeiten. Das ist schon etwas Besonderes, daher gehen ich auch davon aus, dass die Area ziemlich schnell ausgebucht ist.

4. Das kann gut sein, bei den jährlich wachsenden Besucherzahlen der Braukunst Live!. Wie sehen Sie die Entwicklung dieses Branchen-Events?
Die ist super! Biermessen, Verkostungen und Veranstaltungen rund ums Bier sprießen wie Pilze aus dem Boden. Und das ist auch gut so! Für mich gilt die BKL aber weiterhin als „Anschieber“ der gesamten Szene. Hier gibt es die bunteste Mischung aus Mittelstand und Kleinstbrauern.

5. Wie bewerten Sie als Bierprofi und Sensoriker die aktuelle Situation der deutschen Bierszene?
Dank der Craft-Bierbewegung ist in der Branche viel in Fahrt gekommen. Bier wird in der Öffentlichkeit endlich wieder wahrgenommen. Der Konsum steigt nicht, dafür genießen die Leute inzwischen mit mehr Anspruch und Begeisterung. Das beflügelt den Markt.

6. Aber was genau ist denn Craft-Bier für Sie?
Die amerikanische Definition macht hierzulande keinen Sinn. Dennoch können wir einiges daraus übernehmen, wie etwa die Leidenschaft, die ein Brauer mitbringen sollte. Craft-Biere überzeugen durch einen besonderen Charakter, ganz unabhängig vom Stil.

7. Also gehören auch modern interpretierte Helles, Pils oder Weißbiere unter der Headline Craft-Bier dazu?
Na klar, wenn sie charakterstark umgesetzt sind auf jeden Fall. Langzeit galt unter Brauern je wilder, desto besser. Jetzt setzen sie wieder auf Trinkbarkeit.

8. Und was ist mit anderen deutschen Bierstilen wie Berliner Weisse oder Gose?
Dank den US-Craft-Brauern ist das Feuer für diese fast ausgestorbenen Typen wieder entfacht. Der Funke ist zum Glück auch zu uns übergesprungen. Allerdings müssen sich die historischen Sauerbiere hierzulande erst wieder etablieren.

9. Was glauben Sie wohin die Reise der deutschen Craft-Bierbewegung in den nächsten fünf Jahren geht?
Ich sehe zwei Trends. Zum einen sind das die Sauerbiere, und somit auch eine Reanimation deutscher Bierstile, zum andere rollt gerade eine Session-Welle, zu leichteren, aber dennoch aromatischen Suden auf uns zu. Das ist toll, denn die einstige Sortenbereinigung der Brauereien hat mich schon immer traurig gestimmt. Aber die Craft-Bierbewegung hat ihren Zenit noch lange nicht erreicht. Ich sehe das immer gern wie ein Schneeballsystem. Brauer brauchen erst eine gewisse Größe um landesweit sichtbar zu sein. Da stehen wir erst am Anfang.

10. Was muss getan werden, um die Craft-Szene weiter zu pushen?
Eindeutig sind mittelständische Brauereien ein Motor für die Branche. Man muss sich nur mal „Craftwerk Brewing“ von Bitburger oder „Braufactum“ von Radeberger ansehen. Früher hätte niemand geglaubt, dass auch deutsche Großbrauereien mal in die Kreativrichtung gehen würden. Solche Projekte brauchen wir, die den Markt anschieben, in den Supermarktregalen mit Besonderheiten präsent sind und wo auch Geld drinsteckt. Allein von den Garagenbrauern wird der Erfolg leider nicht angefacht.

11. Und was ist eigentlich ihr Lieblingsbier?
Das kann ich pauschal nicht sagen, weil es immer von der Situation abhängt. Zum Glück habe ich einen Bierkeller mit knapp 300 Sorten, in dem ich für jede Gelegenheit das richtige Bier stehen habe. Darunter sind sowohl normale Helle, als auch Sauerbier oder Quadrupel.

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